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Ian McEwan zeigt: Letztlich sind die Menschen das Problem, nicht die Roboter.

Eigentlich hatte ich Maschinen wie ich bereits letztes Jahr lesen wollen. Damals war ich jedoch von Freunden dazu überredet worden, mit Ihnen „The Handmaids Tale“ von Margaret Atwood zu lesen. Auch wenn wir vermutlich den für die kürzeste Zeit bestehenden Buchclub, den es je gegeben hatte, bildeten, hatte ich das Buch natürlich zu Ende gelesen. Da meine Leseerfahrungen jedoch eher negativ ausfiehlen (das einzig gute, was ich dem Roman abgewinnen konnte, war sein offenes Ende), hatte ich erst mal genug von Science Fiction. Bis jetzt. Die Klausuren waren geschrieben, ich hatte endlich mal wieder etwas Luft zum Atmen und eine lange Autobahn vor mir. Was gibt es da besseres als ein Buch, von dem man sich nichts vorstellen kann? 

Ian McEwan: Maschinen wie ich

Roman // Original: Machines like me (and people like you), 2019
Diogenes Verlag // 2019 // aus dem Englischen von Bernhard Robben
416 Seiten // 25,00 Euro // Hardcover Leinen 

Die Ausgangslage des Romans ist schnell erzählt. Wir schreiben das Jahr 1982. Durch einige kleine Änderungen in der Geschichte ist die Welt schon jetzt eine global verknüpfte, technische Welt. Alan Touring lebt noch immer und hat mit seinen wissenschaftlichen Entdeckungen, die er der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat, den technischen Fortschritt vorangebracht. Mitten in dieser Welt lebt unser Erzähler Max. Bisher hat er in seinem Leben nichts ganzes und nichts halbes gemacht. Als er nun überraschend zu Geld kommt, entscheidet er sich dazu, sich damit einen der weltweit streng limitierten „menschlichen Maschinen“ zu kaufen, die gerade erschienen sind. Da die „Evas“ bereits ausverkauft sind,  begnügt sich Max mit einem „Adam“. Als dieser zu ihm nach Hause geliefert wird, entschließt er sich, Adam mit seiner Nachbarin Miranda zu teilen, um sie zu beeindrucken. Das Vorhaben gelingt, Miranda und Max werden ein Paar und Adam wird in Betrieb genommen. Dann nimmt alles seinen Lauf. 

Es ist erstaunlich wie ein Roman so beeindruckend sein kann und zugleich eigentlich nur aus unsympathischen Charakteren besteht. Eigentlich bin ich sehr gut darin emotionale Verbindungen mit Buchcharakteren aufzubauen, doch Max sowie auch Miranda sich einfach unsympathisch. Sie sind weder gemein, noch unfreundlich oder in einer anderen Weise anderen Menschen fies gegenüber. Wenn ich die beiden auf einen Punkt bringen müsste, dann würde sich sie als emotionslos und ignorant beschreiben. Ich konnte auch kein Mitleid für sie empfinden, wenn mal etwas schief lief. Denn warum auch? Max geht es gut und wenn er sprunghaft und unzufrieden in seinem Leben ist, dann liegt dies zumeist an seinen eigenen Handlungen. 

Ich möchte nicht zu viel auf der Geschichte vorwegnehmen, denn die ganze Story wirkt nur, wenn man sich wirklich darauf einlässt. Auch gerader der Verlauf der Geschichte und das Verhalten der Charaktere gegenüber Adam, nicht Adams eigenes Verhalten ist so interessant. Denn, dass Adam „versucht“ sich wie ein Mensch zu verhalten, ist nicht ausschlaggebend für das Verhalten anderer. Mirandas Vater ist merkwürdig, egal zu wem. Der nette Kisokinhaber ist freundlich, egal zu wem. Aber unsere „Hauptvertreter“ der Kategorie Mensch Max und Miranda, sind letztlich diejenigen, die Adam nicht vorbehaltlos akzeptieren. Ein Zitat, welches McEwan zum Ende des Buches hin in den Mund von Alan Touring legt, spiegelt den Gedanken wieder, der sich während des Lesen bei mir geformt hat, den ich hier jedoch nicht vorwegnehmen möchte. Aber um es vielleicht in meinen Worten zusammenzufassen: Die Maschinen sind nicht das Problem. Wir sind es. 


Vorgelesen von 
Gianna

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