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Dawit Kldiaschwili: Samanischwilis Stiefmutter

Roman // Dörlemann Verlag // 2018 // Deutsche Erstübersetzung 
Aus dem Georgischen übersetzt und mit einem Nachwort von Rachel Gratzfeld 
Leinen mit Leseband // 160 Seiten // 20,00 Euro // eBook 14,99 Euro

https://doerlemann.com/?id=607&k=2
 "Vor westlichen Lesern und Leserinnen breitet Samanischwilis Stiefmutter eine fremde, wundersame und wunderliche Welt aus. All diese Figuren sind fürstlicher Abstammung, doch ihr Leben ist alles andere als fürstlich, außer ihrem Namen (und ihrem Dünkel) haben sie nichts." schreibt die Übersetzerin Rachel Gratzfeld in ihrem großartigem und sehr informativem Nachwort. Und tatsächlich ist Kldiaschwilis Roman ein "lebendiges Porträt georgischer Mentalität und Seelenverfassung" wie Gratzfeld schreibt.

Erzählt wird die tragisch-komische Geschichte von Platon Samanischwili, der für seinen alten, aber noch rüstigen Vater nach dem Tod seiner Mutter eine Frau finden soll. Sein Vater, Bekina Samanischwili, ist ein verarmter, aber dünkelhafter Landadliger, der unbedingt wieder heiraten will. Platon, sein einziger Sohn, fürchtet das karge Erbe durch die Geburt eines weiteren Sohnes für sich und seine ständig wachsende Familie zu verlieren. Als sein Vater jedoch nicht von seinen Heiratsplänen ablassen will, bestellt sich Platon selber zum Brautwerber. Gesucht wird eine zweifache Witwe, die durch ihre Kinderlosigkeit ihre Unfruchtbarkeit bewiesen hat:

"Du sagst selber, du brauchst keine junge Frau. Ich besorge dir eine achtbare Frau, eben eine, die uns nicht zum Gespött werden lässt, das verspreche ich dir hoch und heilig. Von zweifachen Witwen spreche ich deshalb, weil ich mich bei den Witwen umsehen und nach einer suchen werde, die zwei Ehemänner, aber mit keinem von beiden ein Kind hatte. Auf eine solche Frau ist eben wegen ihrer Kinderlosigkeit Verlass."

Da weder Platon noch seine Frau eine solche Witwe kennen, reitet er zu seiner Schwester, um sie um Rat zu fragen. Auf dem Weg trifft er auf den Dorfadvocaten, der nach Kwedureti reitet, um bei den Bregadses einen Familienzwist zu schlichten. Im Hause der Bregadses lebt seine zum zweiten Mal verwitwete, kinderlose Verwandte Elene. Platon fragt seine Schwester nach Elenes Leumund, da sie Elene aber nicht kennt, beschliesst er zur Tante seines Schwagers Kirile zu reiten, da sie jeden in der Umgebung kennt. Sehr zu Platons Verdruss will sein Schwager unbedingt mit auf Brautwerbung gehen. Leider ist Kirile ein Trunkenbold und Streithahn, der Platon ständig in Schwierigkeiten bringt, bis sie endlich nach zwei Tage bei der Tante eintreffen.

"Was ich seinetwegen in den letzten Tagen durchgemacht habe, hoch und heilig, ich weiß nicht, ob irgendwer irgendwann wegen so eines Kerls schon solche Schwierigkeiten erleben musste", sagte Platon traurig und erzählte, in was für eine Geschichte er bei den Schapatadses geraten war, wie Kirile sich unterwegs in der Kneipe betrunken und wie er ihn mit Müh und Not hierhergebracht hatte".

Dort wird Platon von dem verarmten Landadligen Aristos angesprochen, der durch Kirile von der Brautwerbung gehört hatte und seine Tante Elene mit Platons Vater verkuppeln möchte. Da es sich  um die schon vom Dorfadvocaten gepriesene Elene handelt, willigt Platon ein, sie bei den Bregadses zu besuchen. Dort angekommen bleibt den beiden schließlich nichts anders übrig als die zweifach verwitwete, kinderlose Braut zu entführen.

Nach der Hochzeit leben alle in Frieden und Zufriedenheit zusammen. Doch bald wird Elene schwanger, bekommt einen Sohn und Platons dunkle Seite gewinnt die Oberhand. Denn wie Gratzfeld schreibt, bringen  "Der eingefleischte Wunsch nach Besitz und eine ausgesprochene Selbstgefälligkeit höchst Seltsames hervor. Dawit Kldiaschwili verleiht diesem Seltsamen Ausdruck, mit typisch georgischen Humor. Aber hinter Wort und Form schlägt das Herz eines Autors, das menschliche Schmerzen nie Vergisst".


Wir danken dem Dörlemann Verlag für das Rezensionsexemplar




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