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Leo Tolstoj: Wie viel Erde braucht der Mensch? Erzählungen und Legenden.

Insel Verlag // 1. Auflage 1989 // aus dem Russischen von Alexandr Eliasberg und Arthur Luther
154 Seiten // Taschenbuch

    Einem Bauern gelingt ein gutes Geschäft, wodurch er seinen Hof vergrößern kann. Vom Teufel verleitet giert er nach immer mehr Land und Besitz.
    Ein Knecht wird vom Stadthalter mit unmöglichen Aufgaben betraut, da dieser die hübsche Frau des Knechts für sich haben will. Doch mithilfe der Frau gelingt dem Knecht jede noch so schwierige Arbeit, bis er einen nahezu unmöglichen Auftrag bekommt.
    Ein erfolgreicher Kaufmann landet für einen Mord, den er nicht begangen hat, im Gefängnis. Hinter Gittern verliert er den Kontakt zu seiner Familie, doch er findet Unterstützung bei Gott.
    Ein Mann träumt in der Nacht, dass Gott ihn am nächsten Tag bei ihm einkehren will. In Erwartung auf den himmlischen Besuch bittet er die verschiedensten Menschen zu sich in die Stube und Gott wohnt nicht nur ein Mal unter seinem Dach.
    Zwei Bauern haben sich ihr ganzes Leben lang vorgenommen, ein Mal nach Jerusalem zu pilgern. Als sie sich auf den Weg machen, wird einer von ihnen jedoch in einem Dorf aufgehalten und er gibt sein ganzes Geld, was er für die Reise zusammengespart hatte, für eine arme Familie auf. Auch er schafft es auf eine besondere Art nach Jerusalem.
    Der Schumacher trifft auf dem Weg dem zum Gerber auf einen nackten, verlassenen Mann und nimmt ihn kurzerhand bei sich zuhause auf. Der Mann wird sein Geselle und hilft ihm bei einem äußerst ungehaltenen Kunden.
    Ein armer Bauer wird Vater eines Sohnes, für den er einen Paten sucht. Doch alle weisen ihn ab, da sie nicht Pate einer armen Familie sein wollen. Bis er auf einen fremden Wandersmann trifft, der sich bereiterklärt, die Patenschaft zu übernehmen. Nach der Taufe verschwindet der Pate, bis der Sohn sich auf den Weg macht seinen Paten zu finden, um den Osterkuss mit ihm zu tauschen.


    Die Erzählungen sind überwiegend düster. Der Mann, der nicht weiß, wann genug ist, bricht tot zusammen; der Reiche, der nicht hilft, streitet sich mit seinem Sohn und sein Geschäft läuft in seiner Abwesenheit schlecht; der Dritte kommt unschuldig ins Gefängnis. Diese Aufzählung könnte ich noch weiter führen, doch in allen Geschichten wird demjenigen von Gott geholfen, der sich nicht dem Teufel verschrieben hat.
    Nicht die Reichen und Schönen sind die Helden in Tolstojs Geschichten. Es sind die einfachen, bodenständigen Menschen, die von ihrer Gottesfurcht und ihrer Barmherzigkeit profitieren oder bei Selbstsucht ein schlechtes Ende ereilen.

    Auch wenn man diese Erzählungen heute in einem anderen Licht verstehen muss, gibt Tolstoj seinem Leser auch heute noch, ohne mit der Moralkeule um sich zu schlagen, zu verstehen, dass man sich schnell von den falschen Beweggründen zu falschen Entscheidungen verleiten lassen kann. Doch wenn man mit sich selbst im Reinen ist, kann man sich selbst vor vielem selbstgeschaffenem Unglück bewahren.

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