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Frida Skybäck: Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse

Roman // Original: Bokhandeln pã Riverside Drive
Insel Taschenbuch 4740 // DE 2019 //Aus dem Schwedischen von Hanna Granz
545 Seiten // 10,95 Euro // Taschenbuch

Hallo liebe Bücherfreunde,

heute gibt es wieder einen Roman über mein Lieblingsthema Buchhandlungen und diese steht auch noch in meiner Lieblingsstadt London. Denn der Riverside Bookshop liegt, wie der Name schon sagt, an der Themse und die Protagonistin Charlotte kann aus ihrer Wohnung über der Buchhandlung sogar einen kleinen Ausschnitt von der Tower Bridge sehen. Charlotte ist Schwedin und eigentlich Chefin einer kleinen aber erfolgreichen Kosmetikfirma in Schweden. Als ihre ihr völlig unbekannte Tante Sara, die Schwester ihrer Mutter Kristina, stirbt, erbt Charlotte Saras Buchhandlung in London. Charlotte, die gerade ihren Mann durch einen Autounfall verloren hat, reist sofort nach England. Sie will nur kurz bleiben und hat bereits den Entschluss gefasst, ihr Erbe zu verkaufen. Doch schnell fühlt sie sich vom besonderen Charme der Buchhandlung und deren Mitarbeitern angezogen.

Charlotte muss jedoch feststellen, dass Tante Saras Buchhandlung hoch verschuldet ist. Es fordert einigen Ideenreichtum die kleine Buchhandlung an der Themse über Wasser zu halten und nicht Konkurs anmelden zu müssen. Es kommt zu vielen schönen und lustigen Situationen! Unter anderem mit einem dicken Kater namens Tennyson, dem Hauspoeten William und sogar einer Lesung mit Joanne Murray.

Aber warum Charlotte, die von der Existenz ihrer Tante gar nichts wusste, deren Buchhandlung geerbt hat, bleibt lange für alle ein Rätsel. Der Leser erfährt mehr durch die eingeschobenen Rückblenden, die Anfang der 80er Jahre zur Zeit der IRA in London spielen. Sie erzählen die Geschichte der jungen Schwestern Sara und Kristina, die vor ihrem gewalttätigem Vater aus Schweden nach London fliehen. Sara arbeitet abends in einer Bar und Kristina am Morgen in einem Café. Als Sara den Iren Daniel kennenlernt, leben sie zu Dritt in Daniels winziger Wohnung. Aber nicht nur Sara liebt Daniel, auch zwischen Kristina und Daniel besteht eine große Anziehungskraft.

Ich habe das Buch an einem nebligen Wochenende auf der Couch gelesen und dachte, es sei die perfekte Lektüre. Aber leider hat Frida Skybäck die Handlung mit Problemen überlastet. Es scheint fast, als wenn für alle Mitglieder der Buchhandlung ein Problem gesucht wurde, was dann am Ende gelöst werden kann. Und natürlich haben alle ihre Sorgen ertragen, ohne darüber zu reden, was einige Missverständnisse viel früher aufgelöst hätte.

Klischeebelastet erscheint mir auch die Tragödie um Sara und Kristina. Die ältere Schwester, die ihren gewalttätigen Vater erduldet und wartet bis Kristina ihre Schule beendet um mit ihr weggehen zu können, liebt nur noch Daniel, den sie aus Rache am Ende aber denunziert. Auch Kristina wird vor Liebe blind, hintergeht ihre Schwester und wird von Daniel schwanger. Die Situation eskaliert und bei so viel Verrat, Denunzierung und Schuld ist auch die Vererbung (durch Sara) und Rettung (durch Kristinas Tochter Charlotte) einer bankrotten Buchhandlung nur eine schwache Versöhnung.


Wir danken dem Suhrkamp Insel Verlag für das Rezensionsexemplar!






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