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Überredung - Jane Austen

Original: Persuasion (1818)
[Roman]


Die Überredung (Persuasion) ist der letzte von Jane Austens (1775-1817) sechs Romanen. Er wurde 1818, also nach ihrem Tod veröffentlicht, und mir war vorher gar nicht so richtig bewusst, dass Jane Austin schon mit 42 Jahren gestorben ist. Heute gehört sie zu den Klassikern der englischen Literatur, aber sie war auch schon als sie noch lebte als Autorin sehr angesehen.
Obwohl „Stolz und Vorurteil“, „Sinn und Sinnlichkeit“ oder „Emma“ ihre berühmten Bücher sind, wollte ich mit „Die Überredung“ anfangen. Zum einem, weil es ihr letztes Buch ist und zum anderen, weil ich noch nicht davon gehört hatte.

Mit Anne Elliot steht auch eine besondere Frau im Mittelpunkt der Handlung. In Austens anderen Büchern ist die Heldin sehr jung und sucht ihre erste romantische Liebe. Anne Elliot dagegen ist Ende Zwanzig und hat ihre erste Liebe schon hinter sich. Als junges Mädchen war sie in den bürgerlichen jungen Marineoffizier Frederick Wentworth verliebt. Ihrer adelige Familie gelang es jedoch, sie zur Trennung zu „überreden“, da er nicht ihrem Standesdünkel entsprach.
Acht Jahre später begegnet sie ihm wieder. Ihre Familie ist inzwischen in finanzielle Schwierigkeiten geraten und musste ihren Landsitz vermieten und nach Bath umziehen. Das Buch hat zwei Teile: zuerst lebt Anne bei ihrer jüngeren verheirateten Schwester Mary auf dem Land, wo sie auch Frederick wieder begegnet. Im zweiten Teil zieht sie zu ihrem Vater nach Bath, der mit ihrer älteren unverheirateten dünkelhaften Schwester zusammenlebt. Hierhin folgt ihr Frederick.
Obwohl Frederick ihr anfänglich nicht verzeihen kann, ihn wegen der „Überredung“ aufgegeben zu haben und dies als Charakterschwäche deutet, erkennt er ihre Qualitäten wieder. Und Anne lässt sich diesmal nicht überreden, ihren reichen Vetter zu heiraten, sondern entscheidet sich bewusst für Frederick und eine bürgerliche Existenz als Kapitänsfrau: „Es war ihr ganzer Stolz, die Frau eines Seemannes zu sein“. Überredung ist ein schönes Buch, humorvoll und mit satirischen Hieben auf die englische Gesellschaft.
Ausgeliehen habe ich das Buch in der Bücherei in Berlin Reinickendorf.


1983, Reclam; Aus dem Englischen von Ursula Grawe. Nachwort und Anmerkungen von Christian Grawe
320 Seiten

Kommentare

  1. Hallihallo :)

    Jane Austen steht auf meiner Liste mit "Autoren von denen ich unbedingt mal ein Buch lesen sollte" ganz weit oben. Die Filme zu ihren Büchern kenne ich ebenfalls nicht, also bin ich in dieser Hinsicht wohl ein ganz und gar unbeschriebenes Blatt *lach* Das sollte ich wirklich bald mal ändern!

    Liebe Grüße,
    Lisa von Prettytigers Bücherregal

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  2. Liebe Lisa,
    die Bücher sind klasse, aber mir haben auch die Verfilmungen gefallen. Und dann habe ich noch den Film "Der Jane Austen Club" gesehen. In ihm gründet eine Frau den "Jane Austen Buchklub", um ihre Freundin, die gerade von ihrem Mann verlassen wurde, auf andere Gedanken zu bringen. Auch sehr schön
    Liebe Grüße von den Vorlesern

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