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Henry D. Thoreau und auf Landpartie bei Matthes&Seitz

Liebe Bücherfreunde,

es ist wieder Juni und die Temperaturen steigen, die richtige Zeit euch von unserer Landpartie im letzten Juni zu erzählen. Wie schon im Jahr zuvor (Landpartie 2017) lud der Verlag Matthes&Seitz und Judith Sschalansky (die Herausgeberin der Naturkunden)  zu einem Sonntag in die Uckermark ein. Gefeiert wurde 5 Jahre Naturkunden in der Alten Schlossgärtnerei in Gerswalde. In Naturkunde sind eine Reihe besonderer Bücher mit bezauberndem Layout erschienen. Sie handeln von den vielfältigen Aspekten der Natur und aus einigen wurde in der Alten Schlossgärtnerei vorgelesen.


So standen Lesungen von Beatrix Langer über Kröten, Franck Hofmann über Der Deutsche in der Landschaft von Rudolf Borchardt, Heinz Frommhold über Stammscheiben mit einem anschließenden Veranschaulichungsspaziergang und Frank Sievers und Andreas Jandl über Wilde Wälder von Robert Deakin auf dem Programm.

Gelesen wurde an einem sehr idyllischen Ort auf der großen Wiese der Alten Schlossgärtnerei:


Wie im Jahr zuvor gab es wieder Leckeres aus der Fischräucherei, gesunde Kuchen und eine gut besuchte Getränke-Bar.


Auf dem Büchertisch durften natürlich auch die bisher bei Matthes&Seitz erschienen vier Tagebücher von Henry D.Thoreau nicht fehlen. Thoreau ist besonders mit seinem Aussteigerbuch Walden bekannt geworden, in dem er über seinem Rückzug in seine selbstgebaute Hütte am See berichtet. Auch bekannt ist sein Essay Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat, ein Aufruf zum gewaltlosem Widerstand. Anlässlich seines 200. Geburtstags wird die Publikation aller 12 Bände der Tagebücher in Angriff genommen, in denen Thoreau 25 Jahre lang seine philosophischen und religiösen Eindrücke und Naturschilderungen niederschrieb.

Virginia Woolf schrieb über ihn: "Thoreau konnte einen Fisch mit bloßen Händen fangen; er konnte ein Eichhörnchen dazu überreden, in seinen Mantel zu kriechen; er konnte so still dasitzen, dass die Tiere ihr Spiel um ihn herum fortsetzten. Sein Tagebuch zeigt Thoreau so, wie wohl noch nicht mal seine engsten Freunde ihn kannten"



Die ersten beiden wunderschönen Bände liegen neben meinen Bett und vor dem Einschlafen gehe ich noch einmal mit Thoreau in die Natur. Während es in der editorischen Notiz von Rainer G. Schmidt im ersten Band darum ging, den Leser auf die Thoreau Fülle von Notaren, Beobachtungen und Leseerlebnissen des zwanzig jährigen Thoreau einzustimmen, verfolge der zweite Band eine poetischere Zielrichtung. Normale Alltagsbewältigung spielt keine wichtige Rolle.

Man kann die Tagebücher nach einander lesen oder einfach eine Seite aufschlagen und es findet sich immer wieder erstaunlich viel Aktuelles, wie z.B. zum ökologischen Umgang mit Kleidung:

"Im Falle einer Handelssperre sind in jeder Bodenkammer genügend alte Kleider zu finden, die bis zur Jahrtausendwende ausreichen. ... King James hatte seine alten Schuhe am liebsten. Wem geht es nicht so? In der Tat werden neue Kleider oft erst nach einer höchst schmerzlichen Geburt erworben und getragen."


Die Vorleser danken dem Matthes & Seitz Verlag für den schönen Tag und die beiden Thoreau-Bände. 

Kommentare

  1. Das klingt wirklich nach einem schönen Tag! Und wenn für Verpflegung gesorgt war, um so besser :)

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