Direkt zum Hauptbereich

JP Delaney: Believe Me


Liebe Bücherwürmer,

heute habe ich für euch mal ein etwas anderes Format vorbereitet. Als ich das letzte Jahr in Büchern habe Revue passieren lassen, ist mir erst bewusst geworden, wie viele gelesen Bücher ich diesem Blog eigentlich verschwiegen habe. Der Grund dafür ist, dass ich nach nun fast vier Jahren Rezensionen nahezu immer im gleichen Muster verfasst habe. Nun habe ich mich dazu entschlossen, euch meine gelesen Bücher nicht direkt vorzustellen, sondern eher ein Gespräch über Gedanken, die mir beim lesen oder nachherigem Reflektieren aufgekommen sind, zu führen und möglicherweise auch Verbindungen mit anderen Büchern herzustellen. Ich bin gespannt, wie es euch gefällt!

JP Delaney ist das Pseudonym eines Bestseller-Autors, der unerkannt bleiben möchte. Nachdem ich seinen zweiten Thriller Believe Me gelesen habe, frage ich mich doch, wer hinter JP Delaney steht - dass der Autor begabt ist, merkt man nämlich sofort. Es gibt viele Twists in der Handlung, ohne dass Delaney viele Handlungsstränge aufbaut, was ich häufig eher mehr anstrengend empfinde als Spannungsfaktor. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist man sich gar nicht mehr sicher, wer Freund und Feind ist und was wahr und unwirklich. Ob ich das tatsächliche Ende meine aufgebauten Erwartungen wirklich befriedigt, kann ich jedoch nicht wirklich sagen.


Direkt zu Beginn zeigt unser anonymer Autor uns das harte Leben einer Schaupsielstudentin auf. Für Claire, die Protagonistin ist es um so schwieriger, da sie als Britin und verschiedenen Ereignissen in ihrer Vorgeschichte keine Green Card in America erhalten hat und somit die meisten Jobs nicht annehmen kann. Die Schauspielschule ist sehr teuer und zeitintensiv, doch das wohl größte Problem ist überhaupt erst die Aufnahme. Ich habe selbst bei einer Bekannten miterlebt, wie schwer es ist überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, sich seinen Traum zu erfüllen. Um überhaupt seine Mappe bei einer Schauspielschule einreichen zu können, muss erst mal Geld auf den Tisch gelegt werden. Wenn (falls) es zu einem Vorsprechen kommt, gehen Anfahrt und Unterkunft selbstverständlich auf die eigene Kappe. Freundliche Studenten, die das Aufnahmeprozedere gut in Erinnerung haben, lassen die potenziellen Neulinge nach ihrem Vorsprechen häufig bei sich übernachten. Dennoch ist der Weg bis zu einem Platz an einer Schauspielschule ein weiter und zudem kostenintensiver. Folglich ist es, wenn man nicht bereits als Kind entdeckt und gefördert wurde, ein Weg für Leute mit genügend Geld.

Für mich eines der Kernthemen in Believe Me ist die Macht des geschriebenen Wortes. Die Morde des Thrillers orientieren sich an den Gedichten von Baudelaire, konkret die aus Les Fleurs du Mal, in denen Baudelaire seiner Venus blanche über die Dinge, die er mit seiner Venus Noir erlebt, berichtet. Neben sexuellen Inhalten, sind diese auch gewalttätig. Können die Worte eines Literaten, die als Kunst verstanden werden können, einen Leser zum Mörder werden lassen? Wie viel Kraft haben Bücher und Gedichte?
Vermutlich hat jeder von uns schon erlebt, wie Bücher uns in einen Sog ziehen können und unser Befinden beeinflussen können. Nach Stella von Tarkis Würger war ich mehrer Tage betrübt und melancholisch. Dass Literatur einen starken Einfluss auf uns haben, ist also kaum zu bestreiten. Doch geht dieser Einfluss so weit, dass er uns dazu bringen kann, gewalttätig zu werden oder andere radikale Maßnahmen zu ergreifen? Nach der Veröffentlichung von Den Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang von Goethe haben sich unzählige Leser bestärkt gefühlt, sich das Leben zu nehmen. Ich denke, dass Bücher unsere eigenen Empfindungen verstärken können und uns daher auch zu radikalen Entscheidungen bestärken können. Vielleicht kann Literatur auch Gedanken in uns pflanzen, doch vermutlich müssen diese Gedanken zu einem gewissen Grad schon in uns geschlummert haben. Die Macht des geschriebenen Wortes ist ein wirklich interessantes Thema, das JP Delaney auf eine ganz eigene Weise interpretiert.

Falls mein Geschreibsel euch neugierig gemacht hat, könnt ihr euch auf der Verlagsseite mal den Klappentext ansehen: https://www.quercusbooks.co.uk/titles/jp-delaney/believe-me/9781787472402/


Vorgelesen von Gianna



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Andreas Lehmann: Schwarz auf Weiss

Wieder hat der Karl Rauch Verlag es geschafft mich bereits mit der Cover-Gestaltung zu überzeugen. Ich wünschte alle meine Bücher würden so aussehen! Karl Rauch Verlag // 2021 176 Seiten // 20,00 Euro // Hardcover Als Martin Oppenländer erkennt wie sinnlos und monoton seine Arbeit letztlich ist, will er nicht länger von ihr abhängig sein. Kurzerhand macht er sich selbstständig. Doch die erhoffte Freiheit stellt sich nicht ein als die Welt auf einmal still steht. Da keine Aufträge hereinkommen, bleibt er in der Abhängigkeit, doch dieses mal nicht von einem Arbeitgeber, sondern vom Staat. Sein Leben scheint komplett aus den Fugen geraten zu sein, ohne Alltag mit einem Job, den er nicht ausüben kann. In dieses Chaos hinein erreicht ihn ein Anruf aus der Vergangenheit - von einer Frau, an die er sich nicht mehr erinnern kann. Als Martin ihr dies gesteht, ist sie zunächst nicht sonderlich erbaut darüber. Trotzdem ruft sie wieder an. Und während er versucht ein Bild von dieser Frau zusammen

Nausikaa Lenz: Baro

[Roman] Die Gesellschaft der Unsterblichen wird von einem mysteriösen Gift bedroht. Ein Unsterblicher kann - wie sein Name bereits besagt - nicht sterben, sein Körper erholt sich selbst von tödlichen Verletzungen, so dass er nach kurzer Zeit wieder zum Leben erwacht. Doch das Gift scheint das Blut der Unsterblichen zu verdicken, sodass er praktisch lahmgelegt wird und er sich nicht von Verletzungen erholen kann. Wen könnte der Rat entsenden, um dem Gift auf den Grund zu gehen, wenn nicht Baro, den Dämon? Baro ist älter als die Menschheit selbst und Mitbegründer des Rates der Unsterblichen. Nachdem er von seiner Kontrahentin Serena einen versteckten Hinweis erhalten hat, macht er sich gemeinsam mit seinen Freunden Robert und Dorian auf den Weg zu einer Kirche in Neapel. Doch die drei Unsterblichen reisen nicht alleine nach Rom. Durch unglückliche Zustände begleitet sie Christa, eine Sterbliche.

Dorothée Albers: Nachhall einer kurzen Geschichte

Das Buch hält, was das Cover verspricht. Nachhaltigkeit einer kurzen Geschichte ist ein durch und durch musikalischer Roman. In drei Teile unterteilt, erzählt Dorothée Albers von einer Musikerfamilie.  Roman // Original: Zeemansgraf voor een kort verhaal (2018) Karl Rauch Verlag // 2020 // aus dem Niederländischen von Ulrich Faure 286 Seiten // 22 Seiten // gebunden mit Lesebändchen Beginnend mit Jet, einer Klavierstudentin. Ihre Eltern sind sehr religiös und von ihrem Traum, eine Pianistin zu werden, nicht gerade begeistert. Zu groß ist die Angst vor den schlechten Einflüssen der Musikszene. So erzählt Jet ihren Eltern auch nicht von dem Cellostudenten Zev, dem sie eines Tages vor der Musikschule begegnet. Gemeinsam spielen sie in einem Quartett und nehmen sogar eine Platte auf. Als Jet ungewollt schwanger wird, muss sie bis zur Entbindung in ein Kloster. Sie ignoriert Zeus Briefe und er geht nach Amerika. Jet wird eine gefeierte Pianistin mit Mann und Kind. Während ihre Tochter