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Zwei mal eine Hommage an Hercule Poirot

Anthony Horowitz: Die Morde von Pye Hall & Agatha Christie: Passagier nach Frankfurt

Anthony Horrowitz: Die Morde von Pye Hall
Goya LiT // 2018 
autorisierte Audiofassung // Interpret: Katja Danowski, Bodo Wolf
8 CDs // Gesamtspielzeit ca.640 Minuten // 22,- Euro 


Als ich zu unserem wunderschönen Urlaub nach Griechenland ein Fotoalbum erstellen wollte, war mir geradezu nach einem Hörbuch. Früher habe ich noch viel mehr Hörbücher gehört und auch auf langen Autofahrten ging der CD-Rekorder direkt an. So war es wie das Begrüßen einer langen vergessenen Sache, als die ersten Töne erklangen. Ich lese zwar sehr gerne, aber manchmal ist es doch auch schön, sich vorlesen zu lassen! Vor allem von so tollen Sprechern wie Katja Danowski und Bodo Wolf.

Als die Lektorin Susan Reyland ds fertiggestellte Manuskript zum neuen Atticus-Pünd-Krimi nach einer Lesereise auf ihrem Schreibtisch sieht, kann sie es nicht abwarten die Geschichte noch an diesem Abend zu lesen. Dieses Mal bringt es den Privatdetektiv, der einige Züge von Hercule Poirot aufweist, in das kleine Dorf "Bradford-on-Avon". Nachdem die Haushälterin in dem großen Herrenhaus in Pye Hall verunglückt ist, munkeln die Bewohner, dass es wohl doch kein Unfall sei und der Sohn dahinter stecke. Als auch noch der Besitzer Magnus Pye mit von einem Schwert abgetrennten Kopf aufgefunden wird, beginnt jeder jeden zu verdächtigen.
Susan muss beim lesen erkennen, dass das letzte Kapitel mit der Auflösung der Morde fehlt. Als sie nach dem Wochenende ihrem Vorgesetzten nach dem fehlenden Kapitel fragen will, sagt auch dieser, dass seine Ausgabe des Manuskripts unvollständig sei. Zu alledem erreicht sie auch noch die Nachricht vom angeblichen Selbstmord des Autors Alan Conway. Susan zweifelt jedoch an der Echtheit des Abschiedsbriefs beginnt nun selbst zu ermitteln. Dabei stellt sie fest, dass Conway als Vorbild der Dorfbewohner seine Bekannten verwendet hat.
Wer war Alan Conway wirklich? Und was steckte hinter den Pünd Krimis? Doch bei einem ist Susan sich sicher: Wenn sie den Mörder von Alan Conway finden will, muss sie den Mörder von Magnus Pye enttarnen.


Die Idee von einem zweistufigen Aufbau und dem Krimi im Krimi hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Jede Geschichte isoliert betrachtet ist schon spannend und erzählerisch auf höchstem Niveau - zusammen ergeben sie das gewisse Etwas. Auch gibt es keine Überflut an Charakteren, da durch die Spiegelfunktion in Conways Bekanntenkreis jede Person praktisch doppelt besetzt ist.
Anthony Horowitz zeigt von neuem, dass man ihm den Titel "Kultautor" nicht grundlos gegeben hat. Die Stimmen von Wolf und Danowski harmonieren perfekt und setzen einen tollen Schnitt zwischen Atticus Pünd und Susan Reyland.


Für das Rezensions-exemplar danken wir:




Agathe Christie: Passagier nach Frankfurt
Krimi // Originaltitel: Passenger to Frankfurt // 1970
Atlantik im Hoffmann und Campe Verlag // 2017 // Übersetzt von Julian Haefs
Gebunden // 286 Seiten // 20,00 €


Bereits 1970 auf Englisch erschienen, erscheint Agatha Christies Buch erstmals 2017 im deutschen Buchhandel bei Atlantik im Hoffman und Campe Verlag. Es nimmt die Studentenproteste der 68er Bewegung zur Grundlage für die im Roman geschilderten Jugendrevolten. Aus allen sozialen Schichten kommend, vereint die jungen Menschen bei Agatha Christie ihre Auflehnung gegen jede vorgegebene Ordnung und ihren Wille zur Anarchie. Angetrieben von der Sehnsucht nach Gewalt, Schmerzen  und Leiden breiten sie sich in England, Deutschland, Frankreich und Italien, aber auch in Südamerika, USA und Russland aus.

Bei einer wetterbedingten Zwischenlandung in Frankfurt wird der nur wenig ambitionierte Diplomat Sir Stanford Nye in die Sache verwickelt. Nye rettet eine junge Frau vor möglichen Verfolgern, indem er ihr seinen Pass und Cape überlässt, so dass sie für ihn den Weiterflug nach London antreten kann. Da die junge Frau unklarer Identität, Mary Ann oder Gräfin Renata, wieder etwas Abenteuer in Nyes ruhiges Leben gebracht hat, macht er sich mit ihr auf, die Urheber der um sich greifenden Jugendrevolte herauszufinden. Der Weg führt über Deutschland nach Österreich zu einer schwerreichen Industriellentochter, die mit einer  Horde junger Männer auf einen neuen jungen Siegfried wartet.

Doch auch in England macht sich eine kleine, elitäre Gruppe Sorgen um die Zukunft der Demokratie und der Weltordnung, denn die Revolutionäre sind mit den modernsten Waffen und unbegrenzten Geldmittel ausgestattet.

Wie immer beruhen Agatha Christies Romane auf echten Orten, wahren Menschen und den Nachrichten aus aller Welt, die gekonnt zusammengesetzt eine gespenstische Geschichte ergeben. So ist Der Passagier nach Frankfurt ein Politthriller über eine geheime Kampagne zum Griff nach  der Weltmacht. Am Ende gibt es tolle Lösung mit scheinbar phantastischen Mitteln, die aber wissenschaftlich vermutlich machbar wäre. Und so ist es keine unmögliche Geschichte, -"lediglich eine erfundene" - mit viel schwarzem britischen Humor, wobei Sir Stafford Nye ein interessanter Miss Marple Ersatz ist.


Für das Rezensionsexemplar danken wir:

Atlantik

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