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Kerstin Ehmer: Der weiße Affe

Krimi // Pendragon Verlag // 2017
280 Seiten // 17,00 Euro // Paperback

Berlin ist laut und hektisch. Menschenmengen schieben sich durch die Straßen, alle scheinen es eilig zu haben. So kommt Spiro schon am ersten Arbeitstag zu spät. Die anderen Kollegen sind dem Neuling mit dem jüdischen Namen gegenüber misstrauisch, auch wenn Spiro beteuert kein Jude zu sein. Gleich gibt es für den jungen Kommissar einen neuen Fall. Mit Bohlke, einem Kriegsveteran, an seiner Seite macht sich Spiro auf den Weg zu seinem ersten Tatort. Ein jüdischer Banker, Eduard Fromm, wurde erschlagen im Treppengebäude eines Hinterhauses aufgefunden. Schnell stellt sich heraus, dass die Geliebte des Toten im selben Haus wohnt, bei der Fromm ein ganz und gar deutsches Leben führte. Aufgrund von Splittern, die von der fehlenden Tatwaffe stammen müssen, geht die Polizei zunächst von einem politischen Motiv aus. Doch dann führen die Ermittlungen Spiro in das Nachtleben Berlins. Neben dem komplizierten Fall verliebt sich der junge Kommissar in die Tochter des Toten, Nike Fromm. Nike verdreht ihm den Kopf, dabei muss Spiro doch den Fall aufklären, bevor eine Zukunft für die Beiden möglich ist.

Parallel wird die Geschichte von dem jungen Alexander erzählt. Er ist 14 Jahre alt und noch nie zur Schule gegangen. Er lebt bei seiner Mutter und sie will ihn immer um sich haben. So hat er nur seine Reiseberichte aus Afrika. Doch schließlich wird Alexander aufs Internat geschickt, wo er direkt als Außenseiter abgestempelt wird.


Der weiße Affe zeichnet sich vor allem durch eine eigene besondere Sprache aus. Schnelle Szenenwechsel. Kurze, zum Teil auch unvollständige Sätze. Kerstin Ehmer weiß geschickt die Hektik und das Lebensgefühl der Nachkriegszeit einzufangen. Im Kopf des Lesers entsteht ein eigenes Berlin. Auch die Handlung ist gut ausgeklügelt und wie bei einem Krimi mit einer unerwarteten Wendung. Ich hielt besipielsweise jemanden für besonders verdächtig, der gar nicht mit dem Mord in Verbindung steht.
Bei der Geschichte von Alexander war ich zum Beginn nicht sicher, wie der Handlungsstrang zeitlich einzuordnen ist und in wie weit das Erlebte real ist oder doch Fiktion. Auch das hat mir sehr gefallen und den Krimi erfrischend gemacht. An all diesen Dingen merkt man, dass Kerstin Ehmer früher Fotografin war. Sie weiß wie man Geschehnisse und Emotionen in einem Bild festhält. Es gelingt ihr auch super auf dem Papier.


Für das Rezensionsexemplar danken wir: 

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