Silke Ziegler: Die Nacht der tausend Lichter. Ein Fall für Sina Engel

Kriminalroman // Grafit Verlag // 2017
283 Seiten // 11 Euro

Weinheim ist eine schöne idyllische Kleinstadt zwischen Heidelberg und Mannheim. Ein beliebtes Ausflugsziel ist nicht nur die Burg Windeck oder der Exotenwald, sondern auch die schöne Altstadt mit den Gebervierteln. Doch die größte Touristenaktion ist das größte Sommerfest an der Burgstraße, die Kerwe. Ein Wochenende lang sind Autoscooter, das große Riesenrad und andere Fahrgeschäfte geöffnet und es wird viel Alkohol ausgeschenkt.
Eigentlich sollten bei allen Bewohnern eine ausgelassene Stimmung herrschen, jedoch treibt seit zwei Jahren der Kerweschlitzer auf dem Fest sein Unwesen. Der Serienmörder hat bis jetzt zwei Frauen brutal ermordet und wird sich auch dieses Jahr ein Opfer suchen, da ist Sina Engel sich sicher. Das ist aber nicht die einzige Sorge der Kommissarin. Sie ist hochschwanger von ihrem ehemaligen Kollegen und Lebensgefährten Carlo, der vor einem halben Jahr erschossen wurde. Es gibt keinen Anhaltspunkt für einen Verdächtigen und der Mörder scheint ungewohnt davonzukommen.
Damit dies nicht auch noch dem Kerweschlitzer gelingt und es ein weiteres Opfer gibt, wird Engel Kommissar Matthias Sommer zur Seite gestellt. Dieser ist jedoch nicht nur ein gut aussehender Womanizer, sondern auch der ehemalige Ermittlungspartner des verstorbenen Carlos. Außerdem gibt Sina ihm eine Teilschuld dafür, dass ihr Kind ohne Vater aufwachsen wird.
Werden Sommer und Engel einen weiteren Mord verhindern können? Oder wird der Kerweschlitzer ein weiteres Mal zuschlagen?


Der Kriminalroman wird aus mehreren Perspektiven erzählt, am häufigsten jedoch aus der Sicht der Kommissare und des Kerweschlitzers. Während die Autorin vom Serienmörder berichtet, schafft sie es trotz einiger Informationen die Identität des Mörders zu wahren. Es wird schnell klar, dass der Mörder sich im Umfeld der Kommissarin bewegt und es auch auf ihr Leben abgesehen hat. Tatsächlich habe ich bis zum Schluss den Falschen verdächtigt und war sogar bei der Auflösung überrascht.
Die Kommissare waren mir beide auf Anhieb sympathisch und die Stimmungsschwankungen Sinas aufgrund ihrer Schwangerschaft nur zu gut nachvollziehbar. Beiden ist zu Beginn in der Gegenwart des Anderen unangenehm, denn sie wissen nicht wie sie sich gegenüber dem Anderen verhalten sollen. Doch nach und nach taut ihre Beziehung auf und kann sogar als Ansatz einer Freundschaft bezeichnet werden. Aber Matthias muss Sina im Auftrag Carlos noch etwas wichtiges mitteilen, was auch ihre Beziehung vermutlich verändern wird.

Die Idee eines Serienmörders, der auf einem Sommerfest sein Unwesen treibt und die Konstellation von Sina und Matthias hat mir grundlegend sehr gut gefallen. Doch in meiner Sicht war die Brutalität, mit der der Kerweschlitzer seine Morde begeht, ein wenig zu gewollt. Mir kam es so vor, als hätte Ziegler auf die grausamste Art und Weise eine Frau zu töten versucht, ohne dass der Mörder das Opfer noch vergewaltigt. Zu dem brutalen Mord muss der Mörder natürlich noch ein ausgewachsener Psychopath sein. Eine grausame Kindheit, eine lieblose Mutter und eine Zurückweisung eines Mädchens vor der ganzen Klasse: tadaa, darf ich Ihnen den perfekten psychopathischen Serienmörder vorstellen? Diese ganze Szenerie erscheint mir übertrieben und auch nicht handlungsdienlich. Aber das ist natürlich nur subjektiv und Geschmackssache.
Somit ist die Nacht der tausend Lichter ein spannender Kriminalroman mit ansprechendem Cover und sympathischen Kommissaren, jedoch für mich am manchen Stellen zu brutal.

Indiebookweek Tag 3
Für das Rezensionsexemplar danken wir:

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