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01 Oktober 2016

Die gleißende Welt - Siri Hustvedt

Original: The Blazing World, 2014
[Roman]



Mit Siri Hustvedts „Die gleissende Welt“ habe ich mich wohl etwas verhoben. Und das nicht wegen der fast 500 Seiten, denn ich mag dicke Bücher. Aber nachdem mir ihr Buch „Der Sommer ohne Männer“ so gut gefallen hatte, dachte ich, es wäre die richtige Urlaubslektüre.
In Dänemark am kilometerlangen leeren Strand schmelzen Harriet Burdens philosophischen und psychologischen Probleme jedoch dahin.

Harriet Burden - auch Harry - genannt, ist die Hauptperson in „Die gleissende Welt“. Der Titel kommt von dem 1668 erschienen Buch „The Blazing World“ von Margaret Cavendish, Herzogin von Newcastle, da dieser Roman eine Inspiration für Harry darstellt. Nun zielt er wohl auf die New Yorker Kunstszene. Harriet ist eine missachtete Künstlerin, die zwar durch ihre Heirat mit einem charmanten Kunstsammler und Mäzen in der Szene an Gewicht gewinnt, aber mehr aufgrund ihrer Gastgeberqualitäten als wegen ihrer Kunstwerke. Harriet bekommt zwei Kinder, die später auch im Kulturbetrieb ihren Lebensunterhalt verdienen. Sie scheint mit ihrer Rolle zufrieden zu sein, bis plötzlich ihr Mann am Küchentisch tot zusammenbricht. Da ist Harriet allerdings schon 60, aber ohne ihren Mann macht auch ihre Lebensrolle keinen Sinn mehr. Sie zieht in das weniger hippe New York, nimmt verschiedene mittellose Künstler in ihrer Wohnung auf und wird von der Kunstszene schnell vergessen.



Aber jetzt kommt das jahrelange Brodeln in ihr zum Ausbruch und sie beschließt psychologisch geschickt, es der frauenfeindlichen Kunstszene heimzuzahlen. Dazu sucht sie drei jüngere nicht sehr bekannte Künstler, die unter ihrem Namen Harriers Werke ausstellen. Am Ende will sie dann den Betrug aufdecken und alle bloßstellen. Bei den ersten beiden Ausstellungen geht noch alles gut, die Künstler werden mit Harriets Werken gefeiert. Der dritte Künstler hält sich jedoch nicht mehr an die Abmachungen und beansprucht die Urheberschaft der Kunstwerke für sich, das große Coming out verläuft anders als geplant. In der Kunstszene bricht ein Streit darüber aus, wer das Kunstwerk geschaffen hat und ob Harriets Bloßstellung der Frauenfeindlichkeit in der Kunst gelungen ist.

Diese Ereignisse werden dem Leser als eine „Collage“ vorgeführt, indem verschiedene Personen zu Wort kommen wie Harriet in ihren Tagebücher, Berichte ihrer Kinder, ihre langjährige Freundin, Harriets Freund, die Sicht der involvierten Künstler und die Ausführungen des Kunstfachmanns Richard Brickmann, die Harriet wohl selber geschrieben hat. Dazwischen gibt es viele Anspielungen, Querverweise und Betrachtungen philosophischer und wissenschaftlicher Natur, über die ich am Ende hinweggelesen habe. Ich fand es schwierig in Harriets Lebensgeschichte zu bleiben und gleichzeitig den übergeordneten Überlegungen zu folgen. Und obwohl Harriet eine empfindsame und intellektuelle Frau ist, ist der beabsichtigte Show down, diese späte Versuch der Rache für ihre jahrelange Missachtung, zwar mutig, aber gleichzeitig auch nicht sympathisch. In der schnelllebigen Kunstszene gibt es doch immer schnell den nächsten „Skandal“, die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird.
Während die beiden ersten Künstler ok sind, erweist sich der Dritte, als arroganter Fehlgriff. War diese schlechte Wahl insgeheim beabsichtig um den eigenen Plan letztendlich zu boykottieren oder „weibliche Schwäche“, indem sie seiner vermeintlichen Aufmerksamkeit verfiel?


Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2016; Aus dem Englischen von Uli Aumüller
490 Seiten, Euro 10,00

Für das Rezensionsexemplar danken wir:

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