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Antoine Laurain: Das Bild aus meinem Traum

Original: Ailleurs si j`y suis
[Roman]


Von seinem exzentrischen Onkel hat Pierre-Francois Chaumonts die Liebe für alte Dinge gelernt. Schon als Schüler geht er am liebsten auf Flohmärkte und Auktionen. Kauft und verkauft und behält nur die Dinge, die eine Seele haben. Aber anstatt seine Leidenschaft zum Beruf zu machen, studiert er Jura und wird Rechtsanwalt. Heiratet die Frau, die sein Partner ihm vorstellt und führt eine unglückliche Ehe. Charlotte und Pierre haben keine Gemeinsamkeiten, Charlotte missbilligt seine Sammelleidenschaft sogar und verbannt sie ins Arbeitszimmer. Es kommt zum totalen Bruch als Pierre das Portrait eines Mannes aus dem 18. Jahrhundert ersteigert, das ihm verblüffend ähnlich sieht:

„Sechzig mal vierzig Zentimeter. Ein Pastellbild aus dem 18. Jahrhundert im Originalrahmen. Ein Mann mit gepuderter Perücke und blauem Anzug. Oben rechts ein unentzifferbares Wappen. In diesem Augenblick war es jedoch nicht das Wappen, das meine Aufmerksamkeit erregte, sondern das Gesicht. Ich war wie versteinert, konnte meinen Blick nicht mehr abwenden: Dieses Gesicht, das war meins“.
Da niemand außer Pierre selbst die Ähnlichkeit zu bemerken scheint, beginnt Pierre die Geschichte des Bildes und des Portraitierten zu recherchieren. Durch das Wappen im Portrait gelangt er zu dem Geschlecht der Rivaille-Mandragore de Villardier mit dem Schlachtruf „Kein anderer als ich“. Mit Weinbergen und dem Château de Mandragore in einem kleinem Ort im Burgund. Und dort gibt es eine schöne Gräfin, deren Mann vor einigen Jahren von Heute auf Morgen verschwand.

Ein Bild aus meinem Traum ist ein tolles Buch, das ich auf einen Rutsch ausgelesen habe. Es ist keine rührselige Liebesgeschichte, denn Pierre ist weder sentimental noch dumm. Er ist ein gutverdienender Anwalt, der auch mit Antiquitäten zu handeln weiß. Aber als er das Portrait findet, sieht er sich und sein Leben plötzlich von einem anderen Blickpunkt aus. Die unterschwellige Unzufriedenheit mit dem „Was ist“. Vielleicht hat er sein Leben lang Dinge gesammelt und das Fehlen von Liebe und Seele zu kompensieren. Und er sieht die Möglichkeiten eines ganz anderen Lebens: Eines Lebens, das jemand führen konnte, der ihm ähnlich sieht. Was wird Pierre jetzt mit diesem Wissen machen? Ohne etwas vorweg nehmen zu wollen: das Buch hat auch ein tolles Ende. Pierre ist ein Mann, der aufs Ganze geht, um die Frage auf dem Buchrücken „Wie viel sind wir bereit aufzugeben, um die große Liebe zu gewinnen?“ zu beantworten.


Atlantik Verlag // 2016 // Übersetzt aus dem Französischen von Sina de Malafosse.
22 Euro // 191 Seiten

Für das Rezensionsexemplar danken wir:


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