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Rote Grütze mit Schuss - Krischan Koch

[Küsten-Krimi]

Der Ort Fredenbüll in Nordfriesland hat drei Deiche, 176 Einwohner, 600 Schafe und Amrum ist nicht weit. Polizeiobermeister Thies Detlefsen befürchtet, dass die Polizeiwache mangels Kriminalität bald vom Kieler Innenministerium zugemacht wird und sein Posten nach Kiel verlegt wird. Also macht er aus jeder Fliege einen Elefanten und so wird "hinter jedem toten Schaf ein militanter Ökoaktivist und hinter jedem Falschparker mit fremden Kennzeichen ein potentieller Selbstmordattentäter" vermutet.


In Fredenbüll gibt es eine Badestelle an der Nordsee, ein Deka-Geschäft, den Frisörsalon, der gleichzeitig  Treffpunkt der Frauen des Ortes zum Informationsaustausch und zu jeder Art von Verschönerung ist. Mittelpunkt von Fredenbüll ist Antjes Imbiss, die einzige kulinarische Möglichkeit des Ortes und wegen Antjes roter Grütze mit Schuss auch ein sehr beliebter Treffpunkt der männlichen Bevölkerung. 
Gleichzeitig dient der Stehtisch als Stammtisch, der häufig von Thies dem Polizisten, dem Postboten Klaas - Thies selbsternannten Stellvertreter - und dem früheren Landmaschinenverkäufer Piet Paulsen besucht wird. 

Und natürlich gibt es viele skurrile Typen wie den Hühnerbaron Dussmann, Gegenspieler des Biobauern Brodersen, die sich um die gleiche Wiese streiten. Weiterhin die adelige Familie von Rissen, einen alternativen Professor, den undurchsichtigen Versicherungsvertreter Leif, der das ganze Dorf versichert hat, einen Alt-Hippie, der bei Auflösung der Kommune vor Jahrzehnten übrig geblieben ist und natürlich Thies` Polizeiwache.

Krischan Koch nimmt mit dieser Personenkonstellation sowohl die Struktur von so kleinen Dörfern wie auch die Vorurteile und Klischees vom idyllischen Landleben auf die Schippe. Deshalb erinnert mich  "Rote Grütze mit Schuss" auch zeitweise an die ironische in der Eifel spielende Krimiserie "Mord mit Aussicht" oder an die norddeutsche Serie "Neues aus Büttenwerder". Die langweilige Polizeiwache in der Provinz, der Querelen der Bewohner, die Ironie, mit der das dörfliche Leben beschrieben wird. 

Das Thies zur Sicherung seiner Polizeiwache gerne übertreibt wissen natürlich auch seine Kollegen in der Hauptstadt. Als dann aber wirklich der Ökobauer Brodersen schrecklich zugerichtet in seinem Mähdrescher gefunden wird, nimmt Thies erst niemand mehr ernst. Das ändert sich jedoch als Nicole Stappenbeck von der Kieler Mordkommission zu Thies Unterstützung nach Fredenbüll geschickt wird und immer mehr Bewohner ermordet werden. 

Bald stellt sich heraus, dass die Remise auf den Landbesitz der von Rissens vom ganzen Ort für Seitensprünge missbraucht wurde. Dort gab es sogar einen alten abschließbaren Postschrank, dessen Schubladen von den vielen Besuchern zur Aufbewahrung von Kondomen, Viagra und ähnlichem benutzt wurde. Die Verwicklungen sind vielfältig und meist nicht von langer Dauer und fast jeder hatte irgendwann mal was mit jedem; Inzucht auf dem Dorf. 

Nachdem ich schon so viele "harte" Krimis gelesen und meist auch besprochen habe, ist "Rote Grütze mit Schuss" zwar kein Softie, aber von erfrischender Ironie. Für die Kulturbeflissenen gibt es das Konzert auf dem Anwesen der von Rissens und danach die Feier der freiwilligen Feuerwehr mit viel Bier und Schnaps und der typischen Dorfschlägerei. Und natürlich einen Deich und viele Schafe. 

Leider sterben Thies nach und nach  alle Verdächtigen weg und dann ist es am Ende auch nicht schlimm, dass es keine wirkliche Lösung für alle Mordfälle gibt. Es gibt einfach zu viele potentielle Mörder, die alle kein stichhaltiges Alibi haben oder zwischenzeitlich ermordet wurden.

Doch das Dorf lebt auch gut ohne die Toten weiter und da die Remise abgebrannt wird, ist jetzt eben das einzige Fremdenzimmer im Ort ständig ausgebucht. 
Einen Verdacht möchte ich gerne äußern: Kann der Mörder nicht die esoterische und in anderen Welten schwebende Lara gewesen sein? Sie war mit allen Toten verwandt und bleibt jetzt mit der dicken Lebensversicherung und einem gutgehenden Biohof übrig. 


Dtv Verlag // 2013
Seiten 269 // 9,95 Euro

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"7:30  Uhr  Aufstehen und Morgentoilette
7:45  Uhr  Frühstück (Müsli, sonntags auch mal Rührei)
8:30  Uhr  Morgenkontrollgang durchs Dorf
9:30  Uhr  Übungen im Fitnessstudio seines Hauses
10:30 Uhr Duschen , danach Zeitung durcharbeiten
12:00 Uhr Mittagessen (meist von ortsansässigen Lieferservice) und dann ARD-Mittagsmagazin
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