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Emilio Lussu: Ein Jahr auf der Hochebene

Roman // Original: un anno sull´altipiano 
Folio Verlag // 2017 // Aus dem Italienischen u.m. einem Nachwort von Claus Gatterer
240 Seiten // 24 Euro // Halbleinen 

"In diesem Buch wird der Leser weder einen Roman noch eine historische Darstellung finden." 
Gerade das macht "un anno sull´altipiano" oder auch "Ein Jahr auf der Hochebene" so besonders. Es ist eben keine Fiktion, aber auch kein Geschichtsbuch. Der Offizier Emilio Lussu berichtet von seinen persönlichen Ereignissen im Dolomitenkrieg, also seinem Jahr auf der Hochebene.
Dabei können wir uns die Hochebene von Asiago, in der Lussu stationiert war, als schwer begehbares Territorium mit extremen Höhen und Tiefen vorstellen. Also keineswegs ein einfaches Gebiet.
Doch Lussu scheint vom Glück verfolgt. Egal welche Mission oder wo er entlang geht, ihm geschieht nichts. So kann er uns nun von seinen Erfahrungen berichten.


Als ich die Beschreibung zu "Ein Jahr auf der Hochebene" gelesen habe, wollte ich es direkt lesen. Im Geschichtsunterricht in der Schule lernt man unzählig viel über den 2. Weltkrieg und den Aufstieg des dritten Reichs, doch der 1. Weltkrieg kommt meiner Meinung nach im Verhältnis zu seinem Nachfolger zu kurz. Es fallen Begriffe wie "Pulverfass Balkan" oder das "Attentat auf Kronprinz Ferdinand II.". Aber der Krieg an sich wird kaum thematisiert. Dies war Anlass für mich, nun selbst ein wenig nachzulesen.

Zu Beginn hatte ich ein wenig Schwierigkeiten mit den Dienstgraden der Armee. Begriffe wie Leutnant, Oberst oder Major sind einem geläufig, doch das Rangverhältnis kennen denke ich die Meisten nicht. Doch da ich ein mutiger Leser bin und nicht mit einem geöffneten Wikipediabeitrag an der Seite lesen wollte, habe ich mich einfach in die Geschichte gestürzt.
Auch wenn ich die Rangbedeutung noch immer nicht kenne, kam ich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit hinter die Verhältnisse zwischen den einzelnen Soldaten, was man ja auch an der Art und Weise, wie sie sich gegenüber verhalten, gut erkennen konnte.

Jeder hat bestimmt ein eigenes Bild im Kopf, wenn er an Krieg denkt. Dieses Bild besteht bestimmt zu großen Teilen aus irgendwelchen Filmen, oder einzelnen Elementen, die man im Museum gesehen hat. Aber wie ergeht es den Soldaten an der Front wirklich? Genau das beschreibt Emilio Lussu anschaulich. Natürlich weiß ich jetzt noch immer nicht wie ein Graben wirklich aussieht oder wie es sich darin läuft - wobei ich auch froh darüber bin, es nicht genau zu wissen - doch man bekommt ein Gefühl dafür. Denn welches Bild direkt klargestellt wird, ist das des andauernden Gefechts.
Die meiste Zeit des Krieges verbringen Lussu und seine Kammeraden mit warten. Schlachtpläne werden ausgeklügelt, überarbeitet, über Bord geworfen oder vorbereitet. Doch danach heißt es wieder warten auf den nächsten Befehl von oben. Beim Warten verliert man schnell das Zeitgefühl. Wie lange dauert ein Angriff wirklich oder wie lange liege ich hier schon im Graben und warte?


Emilio Lussu beschreibt das Kriegsgeschehen mit einer großen Portion Ironie, ohne sich dabei über sein Tun oder das anderer Soldaten lustig zu machen. Viel mehr zeigt er auf, wie sinnlos der Krieg ist und wie willkürlich der Tod oder auch Strafen durch die Befehlshaber sind. So wird der Deserteur von einem Moment auf den anderen vom Tod freigesprochen und das Ganze soll nur ein Missverständnis gewesen sein, weil der Kommandant eine gute Nachricht bekommen hat.

Ein Jahr auf der Hochebene ist eine spannende Erzählung über den ersten Weltkrieg, die für jeden Interessierten eine spannende Lektüre ist.


 Für das Rezensionsexemplar danken wir:


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